POWER NIGHTS: Being Mothers

30. April – 31. Juli 2022

Isabel Lewis und Sissel Tolaas mit Solistenensemble Kaleidoskop und Ethan Braun, H_SPACE_H, 2022

Termine (Zeiten werden noch bekannt gegeben)

30. April, Geruch, 13:47 Zug von Südkreuz, Wagen 2
11. Juni, Geruch & Bewegung, 18:42 - 19:12 RE3 Zug, Wagen 2
30. Juli, Geruch, Bewegung und Klangintervention & Performance

Lewis, Tolaas und Braun betrachten die 30-minütige Zugfahrt von Berlin nach Luckenwalde als einen Ort der Bedeutungsgebung und des Geschichtenerzählens und sprechen in ihrer neuen Arbeit H_SPACE_H mehrere Sinne an. H_SPACE_H ist eine Partitur, durch die sich das Publikum bewegt, in der Gerüche, Bewegungen und Klänge die Erfahrung der körperlichen Passage durch Raum und Zeit zwischen Berlin und Luckenwalde verstärken. H_SPACE_H entfaltet sich in mehreren Etappen und alle Elemente fügen sich zu einem neuen ambulanten Live-Kunstwerk zusammen, das am 30. Juli 2022 seine Premiere feiern wird.

H_SPACE_H beginnt am 30. April 2022 als Geruchsintervention in einem Waggon des Zuges von Berlin/Südkreuz nach Luckenwalde, erzeugt durch den eigenwilligen Geruch der EW-Stromproduktion, den Tolaas bei einem Besuch im E-WERK aufgespürt hat. Im Juni erweitert sich das Werk um subtile Bewegungen, Gesten und Hinweise, die von Isabel Lewis choreografiert und kreiert werden, und im Juli schließlich wird eine immersive und ortsübergreifende Klangkomponente, die vom Solistenensemble Kaleidoskop aufgeführt und von Ethan Braun komponiert wird, mit Geruchs- und Bewegungsinterventionen zusammengebracht. Der Einstimmungsprozess, der im Zug beginnt, setzt sich vom Bahnhof in Luckenwalde bis zum Gelände der ehemaligen Mendelsohn Hutfabrik in der Nähe des E-WERK fort. Die Entwicklung von Techniken zur körperlichen Einstimmung auf die Ökologie und Praktiken zur Transformation unserer Beziehung zu unserer biosozialen Umgebung stehen seit langem im Mittelpunkt der Zusammenarbeit von Isabel Lewis und Sissel Tolaas. In dieser neuen Zusammenarbeit mit Ethan Braun und Kaleidoskop wenden sie ihre Methoden weiter an.

Über Isabel Lewis

Isabel Lewis (geb. 1981, Santo Domingo, Dominikanische Republik) lebt und arbeitet in Berlin. Ausgebildet in Literaturkritik, Tanz und Philosophie, nimmt Isabel Lewis' Arbeit viele verschiedene Formate an: von Lecture-Performances und Workshops bis hin zu Listening Sessions, Partys (Bodysnatch), Gärten und - wie sie es nennt - "hosted occasions". Ihre Live-Kunstwerke wurden in Kontexten von zeitgenössischer Kunst, Musik, Tanz und Theater präsentiert, unter anderem in der Kunsthalle Zürich (2020), der Sharjah Biennale (2019), dem Roskilde Festival (2019), dem Berliner Festspiele-Gropius Bau (2018), der Tate Modern (2017), dem Steirischen Herbst (2017), dem Ming Contemporary Art Museum Shanghai (2016) und Tanz im August (2015).

Über Sissel Tolaas

Sissel Tolaas (geb. 1965) arbeitet, forscht und experimentiert seit 1990 intensiv mit dem Thema Geruch. Sie ist eine Pionierin und einzigartig in ihrem Zugang zu Gerüchen. Auf der Grundlage ihres eigenen Wissens - organische Chemie, Linguistik und bildende Kunst - hat sie weltweit eine breite Palette revolutionärer Projekte mit Gerüchen entwickelt. Tolaas gründete im Januar 2004 das SMELL RE_searchLab Berlin, unterstützt von IFF Inc. Tolaas hat besondere Fähigkeiten in der Geruchserkennung, -analyse und -wiedergabe. Ihre Forschungen und Projekte wurden durch zahlreiche nationale und internationale Stipendien, Auszeichnungen und Preise gewürdigt. Tolaas hat ihre Projekte in vielen Museen und Institutionen ausgestellt, darunter MoMA, NGV, DIA, CCA, Tate Modern, Shanghai Minsheng. Sie hat mit Universitäten wie dem MIT, der Nanyang Technical, der Tsinghua, der Harvard und der Oxford University zusammengearbeitet. Sie hat verschiedene Arten von Geruchsarchiven aufgebaut, z. B. Smell & Language, Smell & Coding, Functional Smell, und arbeitet derzeit an Archiven zur Erhaltung von Geruchsmolekülen auf den Weltmeeren, Geruchsartefakten und Geruchserbe. Tolaas' Sammlungen von Geruchsmolekülen und Geruchsstrukturen von 1990 bis 2021 umfassen 10.000 Proben und Formeln.

sssl.berlin

Über Ethan Braun (USA, 1987)

Komponist aus Los Angeles, Kalifornien. Neben seiner Arbeit im Bereich der Konzertmusik hat Braun zwei EPs mit elektroakustischer Musik veröffentlicht. Nach Studien in Los Angeles (UCLA, 2011), am Peabody Conservatory (Baltimore, MD) und am Königlichen Konservatorium in Den Haag (NL) macht er nun seinen DMA in Komposition an der Yale University.

Über das Berliner Solistenensemble Kaleidoskop

Das 2006 in Berlin gegründete Solistenensemble Kaleidoskop hat sich seit seiner Gründung der Entwicklung neuer Formen des experimentellen Musiktheaters verschrieben. Mit großer Offenheit erschafft das Ensemble in Zusammenarbeit mit internationalen Künstler*innen aus anderen Genres neue Formate und setzt Musik in aktuelle Zusammenhänge. In den letzten Jahren ist die Auseinandersetzung mit dem Körper weiter in den Fokus der Arbeit gerückt. Die Mitglieder des Ensembles haben sich dabei von reinen Instrumentalist*innen zu musikalischen Performer*innen und Co-Autor*innen der kollaborativen Produktionen entwickelt.

Kaleidoskop begreift das Musiktheater als einen Ort der Begegnung, der Gemeinschaft und als einen Ort der die Kraft hat sich andere Zukünfte vorzustellen.