Sun & Sea (Marina), Rugile Barzdziukaite, Vaiva Grainyte, Lina Lapelyte, Biennale Arte 2019, Venice. Photo: © Laima Stasiulionyte

Sun & Sea

Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė, Lina Lapelytė

Samstag, 17. Juli 2021: 15:00 – 19:00

Sonntag, 18. Juli 2021: 12:00 – 17:00

Bauhaus Stadtbad Luckenwalde

Kuratiert von Lucia Pietroiusti

Produziert von E-WERK Luckenwalde

Die Karten für Sun & Sea sind nun ausverkauft. Wir hoffen, dass alle, die eine Karte haben wollten, diese auch buchen konnten! Es wird am Tag der Veranstaltung eine sehr begrenzte Anzahl Tickets vor Ort geben. Da diese jedoch am Tag im Rahmen eines 1-in-1-out-Systems zugeteilt werden, kann es zu erheblichen Wartezeiten kommen. Wir werden alles versuchen, um Ihnen Zugang zur Veranstaltung zu geben, können aber leider keinen Einlass garantieren.

Daher empfehlen wir Ihnen, früh anzureisen (ab 14:00 Uhr am Samstag, ab 12:00 Uhr am Sonntag) und die vielen weiteren Angebote vor Ort zu entdecken, darunter unsere beiden Ausstellungen, the long sleep of amber von Peles Empire und The Archive Show mit Lamin Fofana, Keiken, Henrike Naumann, Jenna Sutela, Lauryn Youden und L. Zylberberg, Essen vom Berliner Fermentationslabor Edible Alchemy, Getränke von Campari, Eis, das E-WERK selbst und die abendlichen DJ-Sets von cvdazzle & lloydfears and Khidja im FLUXDOME ab 19:00 Uhr am Samstag.

Verpassen Sie außerdem am Samstag ab 14:00 Uhr nicht die Ansprachen der Sun & Sea Kuratorin Lucia Pietroiusti und der Künstlerinnen Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė & Lina Lapelytė, der Bürgermeisterin von Luckenwalde Elisabeth Herzog-von der Heide, sowie der künstlerischen EW Leitung Helen Turner und Pablo Wendel.

Sun & Sea ist eine Performance-Oper der litauischen Künstlerinnen Rugilė Barzdžiukaitė, Vaiva Grainytė und Lina Lapelytė, die auf einem Indoor-Strand voller Sonnenschirme, Urlauber, Hunde und Kinder spielt. In ihren Liedern warnen die Darsteller*innen vor dem Klimawandel und drohenden Umweltkatastrophen. Das Werk wurde auf der Biennale Venedig 2019 mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet und wird nun im leer stehenden Bauhaus Stadtbad präsentiert - komplett mit 100% CO2-neutralem Kunststrom, Wärme und Licht!

Das E-WERK wird die Performance und das Gebäude mit 100% grüner Energie versorgen, die durch einen Holzvergaser vor Ort im E-WERK Luckenwalde erzeugt wird. Zum ersten Mal werden die Darsteller*innen mit einer selbst gebauten und recycelten Fußbodenheizung versorgt, die den Sandstrand auf eine angenehme Temperatur bringt. Die Abwärme des E-WERKS wird dazu Wasser erwärmen und über einen hitzebeständigen Feuerwehrschlauch in das Stadtbad transportieren, sodass eine speziell entwickelte Fußbodenheizung für den Sand entsteht. Ein weiteres Heizsystem mit fossilen Brennstoffen wird so nicht notwendig sein.

"Stellen Sie sich einen Strand vor - Sie befinden sich dort oder besser: Sie schauen von oben zu - die brennende Sonne, Sonnencreme, helle Badeanzüge, verschwitzte Handflächen und Beine. Müde Glieder breiten sich träge über ein Mosaik aus Handtüchern aus. Gelegentlich hört man das Kreischen von Kindern, das Gelächter, das Klingeln eines Eiswagens und das beruhigende Geräusch der rhythmischen Brandungswellen. Zerknüllte Plastiktüten, die in der Luft wirbeln und rascheln, schweben irgendwann leise, quallenartig unterhalb der Wasserlinie. Man hört das Rumpeln eines Vulkans, das Brummen eines Flugzeugs oder eines Schnellbootes. Dann ein Chor aus Alltagsliedern, Lieder der Sorge und der Langeweile, Lieder von fast nichts. Und darunter: das langsame Knarren einer erschöpften Erde, ein Keuchen." Lucia Pietroiusti, 2019

Im Kern ein ökologisches Werk, spielt Sun & Sea auf einem künstlichen Strand. Dieser besteht aus Licht, Architektur und Musik. In der Hitze der Mittagssonne singen Urlauber*innen ihre Geschichten, in denen sich ihre Gedanken entfalten. Nach und nach multiplizieren sich die alltäglichen Mikroereignisse und Lieder zu einem größeren Bild, das die dramatischen Änderungen der klimatischen Lebensbedingungen auf unserem Planeten im entspannten Strandtreiben reflektiert. Hinter dem entspannten Schauplatz - einem überfüllten Sandstrand im Sommer - verbirgt sich eine eindringliche Botschaft: Die Krisen der Gegenwart entfalten sich leicht und leise – wie ein Popsong am allerletzten Tag der Erde.

Sun & Sea wurde ermöglicht durch NEUSTART #TakePlace, die E.ON Stiftung, die Großzügigkeit der Laurenz Stiftung, Basel, Nicoletta Fiorucci Russo De Li Galli, Sprüth Magers,  Lithuanian Kulturattachée und durch eine Crowdfunding-Kampagne mit zusätzlicher Unterstützung von Schlauch Weberei, Charitea, Campari, Märkischer Hof. Lucia Pietroiusti wird auch die POWER NIGHT 2021 kuratieren, die von September 2021 bis Mai 2022 stattfinden wird.

Sun & Sea ist nach der Opern-Performance Have a Good Day! die zweite Zusammenarbeit der drei Künstlerinnen. Dieses Stück wurde ursprünglich in seiner ersten englischsprachigen, dauerhaften Performance-Version als Sun & Sea (Marina) im litauischen Pavillon auf der 58. Internationalen Kunstausstellung - La Biennale di Venezia präsentiert und mit dem Goldenen Löwen für die beste nationale Beteiligung ausgezeichnet.

Rugilė Barzdžiukaitė (geb. 1983, lebt in Vilnius) arbeitet als Filmemacherin, Theaterregisseurin und bildende Künstlerin. In ihrer kreativen Praxis erforscht Barzdžiukaitė die Kluft zwischen objektiven und imaginierten Realitäten, während sie eine anthropozentrische Denkweise auf spielerische Weise herausfordert. Ihr jüngster abendfüllender Dokumentarfilm-Essay Acid Forest wurde u.a. auf dem Internationalen Filmfestival von Locarno ausgezeichnet und in der National Gallery of Art in Washington, im Lincoln Center in NYC, beim American Film Institute Festival in LA und vielen anderen Events und Veranstaltungsorten für Kino und zeitgenössische Kunst gezeigt. Sun & Sea ist ihre neueste Zusammenarbeit im Medium der Performance.

Vaiva Grainytės (geb. 1984, lebt in Litauen und Kanada) textbasierte Praxis bewegt sich zwischen Genres, interdisziplinären Theaterarbeiten und Publikationen. Als Schriftstellerin, Dramatikerin und Lyrikerin agiert sie als beobachtende Anthropologin: Herausgefordert durch Grainytės poetische Interpretation, nehmen alltägliche gesellschaftliche Themen einen paradoxen und verfremdeten Charakter an. Ihr Essayband Beijing Diaries (2012) und die Gedichtsammlung Gorilla's Archives (2019) wurden für den Preis Buch des Jahres nominiert und in die Top-12-Liste der kreativsten Bücher in Litauen aufgenommen. Ihr Werk wurde in über zehn Sprachen übersetzt. Ihr kommender, zweisprachiger, genreübergreifender Roman, Rosen und Kartoffeln (2022), dekonstruiert die zeitgenössische Durchsetzung von Glück.

Lina Lapelytės (geb. 1984, arbeitet in Vilnius und London) Performance-Praxis hat ihre Wurzeln in der Musik und kokettiert mit Popkultur, Gender-Stereotypen und Nostalgie. Ihre Arbeiten beziehen ausgebildete und nicht ausgebildete Performer ein, die sich oft in einem Akt des Singens durch ein breites Spektrum von Genres wie Mainstream-Musik und Oper bewegen. Das Singen nimmt die Form eines kollektiven und affektiven Ereignisses an, das Verletzlichkeit und Schweigen hinterfragt. Zu ihren jüngsten und kommenden Ausstellungen gehören Cartier Foundation, Paris; Tel Aviv Museum of Art; RIBOCA2 - Riga biennale; Tai Kwun, Hong Kong; Glasgow International; Kunstenfestivaldesarts, Brüssel; Kaunas Biennale, Litauen; Pompeii Commitment und Castello di Rivoli, Italien.

In ihrer kollaborativen Praxis achten die Künstlerinnen besonders auf die Beziehung zwischen Dokumentation und Fiktion, Realität und Poesie sowie auf die Überschneidung von Theater, Musik und bildender Kunst.