Design: Lorenz Klingebiel & Jan Münz

Smoke and Fire and Electricity
Film- und Musik-Marathon
Stadttheater Luckenwalde, Grünstraße 14, 14943 Luckenwalde
16. Oktober 15:00 – 24:00 Uhr

Mit Beiträgen von David Lynch, Olga Hohmann mit Yannik Wittmann, Franziska Aigner, und Sainkho Namtchylak mit German Popov

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Am Freitag, dem 16. Oktober 2026, präsentiert E-WERK Luckenwalde Smoke and Fire and Electricity im Stadttheater Luckenwalde parallel zur Ausstellung Electricity von Asad Raza. Das Programm würdigt das Vermächtnis von David Lynch und seine wiederkehrende, hingebungsvolle Erkundung von Elektrizität – als filmisches Motiv, als Naturphänomen, als Sprache des Unbewussten.

Für Lynch war Elektrizität zugleich schön, beunruhigend, unbekannt und erhaben. Etwas, das dem Unbewussten nahesteht und faszinieren, knistern, überspringen und verstören kann. Dieser Film- und Musikmarathon nimmt Lynchs Faszination als Ausgangspunkt und bringt Film, Musik und Live-Performance zu einer ausgedehnten Begegnung mit dem elektrisch Erhabenen zusammen.

Smoke and Fire and Electricity
 
15:00 Einführung - Stadttheater
mit Künstler Asad Raza, Stadttheater Direktor, Christian Schulz, und Electricity Conductor Carlos Kong
 
15:10 Feature Film - Stadttheater
David Lynch Twin Peaks: Fire Walk With Me
 
17:30 Kurzfilm - Theaterkeller Bar
David Lynch Out Yonder Neighbour Boy
 
18:00 Live Performance - Stadttheater
Olga Hohmann & Yannick Wittmann
 
18:30 Kurzfilm - Theaterkeller Bar
David Lynch Industrial Soundscape
 
19:00 Live Performance - Stadttheater
Franziska Aigner
 
19:35 Kurzfilm - Theaterkeller Bar
David Lynch Lumière
 
20:00 Live Performance - Stadttheater
Sainkho Namtchylak & German Popov
 
21:00 Einführung durch Künstler Asad Raza
 
21:05 Feature Film - Stadttheater
David Lynch Lost Highway
 
Stadttheater Luckenwalde. Bild: Peter Migulla

Der Abend zeigt ausgewählte Spielfilme wie Twin Peaks: Fire Walk With Me (1992) und Lost Highway (1997), die Lynchs Obsession mit Elektrizität aufgreifen, sowie seltene Kurzfilme, darunter Lumiere (1995), Out Yonder Neighbour Boy (2001) und Industrial Landscape (2008). Unterbrochen und erweitert werden die Filmvorführungen durch musikalische und performative Interventionen von Olga Hohmann mit Yannick Wittman, der tuwinischen Kehlkopfsängerin Sainkho Namtchylak mit German Popov sowie der Cellistin und Sängerin Franziska Aigner aka FRANKIE, die das filmische Erlebnis in den Live-Raum übertragen.

Die Veranstaltung findet in der eindrucksvollen modernistischen Architektur des Luckenwalder Stadttheaters statt. Das zwischen 1927 und 1930 als Teil der Friedrich-Ebert-Schule errichtete Theater zählt mit seinen geometrischen Formen, leuchtenden Farben und expressiven Innenräumen zu den prägenden Bauwerken des Neuen Bauens in der Stadt und schafft eine außergewöhnlich filmische Umgebung.

Über die Künstler*innen

David Lynch © Josh Telles, Design Lorenz Klingebiel & Jan Münz

David Lynch (1946–2025) war ein US-amerikanischer Filmemacher, Künstler und Musiker, dessen Werk immer wieder die Grenze zwischen dem Alltäglichen und dem Unheimlichen ins Wanken brachte. In Filmen wie Eraserhead, Blue Velvet, Lost Highway, Mulholland Drive und Inland Empire sowie der Fernsehserie Twin Peaks verwandelte Lynch vertraute Räume, Geräusche und Gegenstände – Vorstadthäuser, Diners, Straßen, Telefone, Lampen und Fernseher – in Portale zu etwas Fremdem, Psychologischem und Unerklärlichem.

Elektrizität gehörte zu seinen beständigsten Faszinationen. Lynch selbst sprach von seiner Liebe zu „smoke and fire and electricity“ – zu ihrer Schönheit, ihrem Klang, ihrer Kraft und ihrer Fähigkeit zu verstören. In seinem Werk werden elektrische Ströme, flackernde Lichter, Stromleitungen und Störungen zu mehr als bloßen visuellen Effekten: Sie verweisen auf Übertragung, Brüche und Kräfte, die knapp außerhalb dessen wirken, was sichtbar oder verständlich ist.

 

Olga Hohmann © Ryan Molnar, Design: Lorenz Klingebiel & Jan Münz

In Solo Sunny and the Invisible Force nehmen Olga Hohmann und der Pianist Yannick Wittman den ikonischen Song aus Konrad Wolfs Film Solo Sunny von 1980 zum Ausgangspunkt ihrer Performance. Der Film gilt als Meilenstein des ostdeutschen Kinos und begleitet eine junge Sängerin, die in verrauchten Bars auftritt. Hohmann dekonstruiert den Song und setzt ihn neu zusammen. Ausgehend von dessen wechselnden Klangfarben untersucht sie Sehnsucht, Unsichtbarkeit und Emanzipation und versteht Elektrizität dabei als eine Kraft, die durch Reibung und Einfluss zwischen zwei magnetischen Polen entsteht. Inspiriert von der Sammlung inzwischen nicht mehr gebräuchlicher elektrischer Zaubertricks ihres Urgroßvaters sowie von dessen Arbeit als Kernphysiker bewegt sich die Performance zwischen gescheiterter Magie, unsichtbaren Kräften und der Erzeugung von Energie.

Olga Hohmann ist eine in Berlin lebende Künstlerin, die in den Bereichen Performance, Musik, Installation und Schreiben arbeitet. Ihre Praxis verbindet häufig Stimme, Sprache, Klang und Theatralität und schafft Situationen, in denen die Grenzen zwischen Konzert, Performance und bildender Kunst fließend werden. Ihre Arbeit ist geprägt von einer Faszination für Transformation, Ambiguität und den aufgeladenen Raum zwischen Intimität und Unheimlichem. Ihre Performances und Ausstellungen wurden international präsentiert.

 

Yannick Wittmann © Sebastian Wells, Design Lorenz Klingebiel & Jan Münz

Yannick Wittman ist Pianist und Musiker und arbeitet an der Schnittstelle von zeitgenössischer Musik, Performance und experimenteller Praxis. Sein Ansatz bewegt sich zwischen komponierten und improvisierten Formen und zeichnet sich durch eine besondere Sensibilität für Textur, Rhythmus und Atmosphäre aus. Für Smoke and Fire and Electricity begleitet er Olga Hohmann am Klavier und schafft eine musikalische Live-Struktur, innerhalb derer sich ihre Neuinterpretation von Solo Sunny entfalten kann.

 

Franziska Aigner © Nadine Fraczkowski, Design: Lorenz Klingebiel & Jan Münz

Für Smoke and Fire and Electricity tritt die österreichische Künstlerin Franziska Aigner aka FRANKIE mit Cello und Stimme auf und bringt die traumhafte, körperliche Dimension ihrer Arbeit in das Programm ein. Ihr Ansatz verweist auf die mystischen und unbekannten Dimensionen der Elektrizität – auf ihre Fähigkeit zu schwingen, zu transformieren, zu übertragen und über Distanz hinweg zu wirken und damit die physische Welt mit Kräften zu verbinden, die unsichtbar bleiben. Diese Sensibilität steht in Resonanz mit der unheimlichen Atmosphäre und psychologischen Intensität von Lynchs Werk, insbesondere Twin Peaks: Fire Walk With Me, wo Klang, Bild und körperliche Erfahrung fortwährend zwischen dem Greifbaren und dem Unbekannten oszillieren.

Franziska Aigner ist Künstlerin, Performerin, Musikerin und Philosophin und arbeitet an der Schnittstelle von Performance, Musik und Philosophie. Sie studierte Choreografie und Tanz an der P.A.R.T.S. in Brüssel und arbeitete unter anderem mit Anne Imhof, William Forsythe, Mette Ingvartsen, Alexandra Bachzetsis und Holly Herndon zusammen. Ihre eigenen Performances wurden international unter anderem beim Kunstenfestivaldesarts, im HAU, im brut, im Théâtre de la Bastille, im The Place und bei Die Liste gezeigt. Als Musikerin FRANKIE arbeitet sie mit Cello und Gesang und hat mehrere EPs und Alben veröffentlicht, darunter Kollaborationen mit Battle-Ax und Kelman Duran. Sie promovierte in Philosophie an der Kingston University London; ihre Monografie über Kant und Technik erschien 2024 bei Bloomsbury Press.



Sainkho Namtchylak © Miu Modern Sky, Design Lorenz Klingebiel & Jan Münz

Die außergewöhnliche Stimme der tuwinisch-österreichischen Sängerin und Klangkünstlerin Sainkho Namtchylak trifft auf die Elektronik und traditionellen Instrumente von German Popov. Gemeinsam schaffen sie eine Performance, die konventionelle Unterscheidungen zwischen Gesang, Geräusch, Sprache und Ritual überschreitet. Namtchylak ist für ihren Einsatz von tuwinischem Kehlkopf- und Obertongesang bekannt, den sie mit freier Improvisation, Jazz und elektronischer Musik verbindet. Popov ist ein langjähriger künstlerischer Partner und arbeitet mit Elektronik sowie traditionellen Instrumenten wie Igil und Doshpuluur. Namtchylaks außergewöhnliche stimmliche Präsenz erinnert dabei an Lynchs eigene surreale Logik: Das Unheimliche bricht plötzlich aus dem Vertrauten hervor und erzeugt durch etwas Unerwartetes, Fremdes oder Erhabenes einen Riss im Alltag. Wie bei Lynchs abrupten Übergängen vom Alltäglichen zum Verstörenden liegt die Irritation gerade in diesem Bruch – in dem Gefühl, dass jederzeit und ohne Vorwarnung oder Erklärung etwas auftauchen könnte.

Sainkho Namtchylak ist eine tuwinisch-österreichische Sängerin, Klangkünstlerin und Komponistin, deren außergewöhnliche vokale Praxis traditionellen tuwinischen Kehlkopf- und Obertongesang mit freier Improvisation, Avantgarde-Jazz, Elektronik und zeitgenössischer Komposition verbindet. Geboren in Tuwa im südlichen Sibirien, studierte sie Musik in Kysyl und Moskau, bevor sie Mitglied des staatlichen tuwinischen Folk-Ensembles und später des experimentellen Ensembles Tri-O wurde. Seit den frühen 1990er-Jahren lebt sie in Österreich und arbeitet mit Künstler aus experimenteller Musik, Jazz und zeitgenössischer Kunst zusammen. Ihre Stimme verfügt über ein außergewöhnliches Spektrum und bewegt sich zwischen Atem, Obertönen, Sprache, Gesang und radikal erweiterten Vokaltechniken. So entsteht ein Klang, der zugleich elementar, animalisch, intim und außerweltlich wirken kann.

 

German Popov © studio IK, Design Lorenz Klingebiel & Jan Münz

German Popov ist Musiker, Multiinstrumentalist, Komponist, Klangkünstler und Forscher. In seinen Projekten beschäftigt er sich mit der Wiederherstellung verlorener Verbindungen zu den Ursprüngen und Archetypen der Moderne. Ein wesentlicher Teil seiner Forschung widmet sich der Integration ethnografischer und anthropologischer Erkenntnisse in künstlerische Prozesse. Er war an zahlreichen musikalischen und gesellschaftlichen Projekten mit Schwerpunkt Zentralasien beteiligt. Unter dem Künstlernamen OMFO veröffentlichte er verschiedene musikalische Arbeiten und Soundtracks, die internationale Bekanntheit erlangten. Seine aktuelle Forschung verbindet alte Kunstformen mit neuen technologisch-wissenschaftlichen Ansätzen und performativen Konzepten. Seit Mitte der 1990er-Jahre arbeitet Popov eng mit Sainkho Namtchylak zusammen und spielt bei zahlreichen Konzerten weltweit traditionelle tuwinische Instrumente. Er wirkte an mehreren ihrer bei Ponderosa Music veröffentlichten Alben mit, darunter Step Mother City. Darüber hinaus produzierte Popov in den vergangenen Jahren verschiedene Tracks und Alben.

 

Smoke and Fire and Electricity wird durch die Initiative Musik mit Projektmitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien gefördert. Zusätzliche Unterstützung erfolgt durch die Stadt Luckenwalde und das Stadttheater Luckenwalde.

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